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Heute vor 35 Jahren - ein realer „Superheld“ rettet die Welt

Das Gedenken an den Mann, der am 26. September vor 35 Jahren die Welt rettete zwingt zu unbequemen Wahrheiten, meint Thomas Maurer, Direktkandidat der LINKEN im Wahlkreis 40.

„Nicht durch den Mauerfall im November 1989, nicht durch die geniale Politik von Ronald Reagan, auch nicht durch die „friedliebende“ Sowjetunion oder gar die erfolgreiche Abschreckungsdoktrin der NATO wurde ein Atomkrieg verhindert.“ So äußerst sich der Direktkandidat der LINKEN im Wahlkreis 40, Thomas Maurer, zum heutigen 35. Jahrestag der Verhinderung des Dritten Weltkrieges durch Stanislaw Petrow.
 
„Nein“, so Maurer weiter, „am 26. September 1983 wurde mit größter Wahrscheinlichkeit ein Dritter Weltkrieg vermieden, weil ein einziger Mann, eben der damals 44-jährige sowjetische Oberstleutnant Stanislaw Petrow, NICHT das tat, was ihm seine Vorschriften eigentlich nahelegten.

Als nämlich gegen 0.15 Uhr das Frühwarnsystem nahe Moskau, wo er als leitender Offizier Dienst hatte, den Start von fünf us-amerikanischen Interkontinentalraketen meldete, stufte er dies gegenüber seinen Vorgesetzten dennoch als Fehlalarm ein“, erläutert Thomas Maurer weiter. „Und das, obwohl sämtliche Überprüfungen der Anlage ergaben, dass alles einwandfrei funktionierte und dieses Jahr 1983 zu den heißesten im „Kalten Krieg“ gehörte – für den damaligen US-Präsidenten Reagan war die Sowjetunion das „Reich des Bösen“ und am 1. September wurde ein südkoreanischer Passagierjumbo über der Sowjetunion abgeschossen. Petrow entschied dennoch, wie er später sagte, aus dem Bauch heraus, dass dies ein „Fehlalarm“ sein müsse. Und er behielt recht. Hätte er gegenüber seinen Vorgesetzten den Raketenstart bestätigt, hätte mit großer Sicherheit am Ende der Befehlskette der damalige Generalsekretär Juri Andropow einen vermeintlichen Gegenschlag der Sowjetunion befohlen. Der Anfang vom Ende.
 
Die unbequemen Wahrheiten dieser realen Geschichte sind:
1. Menschliches Handeln durch Intuition oder „aus dem Bauch“ kann auch strengste militärische Ausbildung und Ordnung nicht verhindern. Das macht doch auch Hoffnung. Ebenso wie die Tatsache, dass Oberstleutnant Petrow ein ganz normaler Mensch war – auch mit vielen Schwächen, wie die Doku „Der Mann, der die Welt rettete“ eindrucksvoll zeigt. Dennoch, oder vielleicht auch gerade deshalb, können wir ihn mit Fug und Recht als „Retter der zivilisierten Menschheit“ bezeichnen.

2. Die Abschreckungsdoktrin, für die NATO bis heute ein „Erfolg“, hat versagt. Die Annahme, einen potenziellen Gegner mittels Rüstung glaubwürdig von einem Krieg abhalten zu können (Abschreckung), setzt nun mal voraus, dass ich auch Waffen ausreichender Menge und Qualität habe. Dumm nur, dass der potenzielle Gegner das genauso sieht und dann eben etwas dagegen tun „muss“. Die Folge: gegenseitiges Misstrauen und ein Wettrüsten, was in vielen Regionen der Welt derzeit stattfindet. Allerdings weniger zwischen der USA und Rußland, denn hier sind die Zahlen zu eindeutig: die Militärausgaben der USA sind (SIPRI, Stand 2016) mit 611 Mrd. USD fast zehnmal höher als die Rußlands (69 Mrd. USD).

3. Alle Atommächte verfolgen die Strategie, mit Atomwaffen „abschrecken“ zu wollen. So wie damals im „Kalten Krieg“ ist das aber immer mit hohen Risiken verbunden: das Wettrüsten droht immer, zu echter oder vermeintlicher militärischer Überlegenheit zu werden, weil ich ja auch immer ein bisschen besser sein muss als der Gegner - sonst schreckt das vielleicht nicht ab. Und das ständige Misstrauen erhöht massiv die Gefahr eines „Krieges aus Versehen“. Und nicht immer wird ein „Superheld“ wie Oberstleutnant Petrow da sein, der offenbar mehr Vertrauen als Misstrauen besaß, um das Schlimmste zu verhindern. Notwendig sind deshalb eine Ächtung aller Atomwaffen, die Rückkehr zur echten Entspannungspolitik und die Schaffung von atomwaffenfreien Zonen.“