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Kein Realschulabschluss aber über 1000 Euro Fahrkosten

LINKE beantragen freiwillige Fahrtkostenübernahme für das 10. Schuljahr in G8.

Die Zwillinge David und Chantal fahren jeden Morgen mit dem Bus zum Unterricht nach Maintal in das Albert-Einstein-Gymnasium. David besucht die zehnte Klasse des G9 Schulzweiges, Chantal ist als G8-Schülerin in die 10. Klasse derOberstufe gewechselt. Für beide ist es ihr zehntes Schuljahr. Dennoch werden nur die Tickets des G9 Schülers vom Landkreis bezahlt, Chantals nicht. Was heute schon zwischen Realschule und Oberstufe Realität ist, wird bald dort wo G9 und G8 angeboten werden ebenfalls Realität sein.

Eine Ungerechtigkeit, finden Eltern von G8 betroffenen Schülern schon heute zu Recht. Richtig, sagt hingegen das Kultusministerium und verweist auf das hessische Schulgesetz. Die G8-Schülerinnen und Schüler werden vom Gesetzgeber gegenüber Realschülern und G9 zusätzlich benachteiligt, weil sie ein Jahr früher für den Bus zahlen müssten. Und dabei haben sie - zum Zeitpunkt des Wechsels an die Oberstufe - noch nicht mal einen Realabschluss. Für Schüler, die nach der neunten Klasse abgehen oder in ein anderes Bundesland ziehen, ergibt sich aus dieser Regelung die Schwierigkeit, lediglich ein Hauptschulzeugnis vorweisen zu können.

Hinzu kommt, dass eine echte Wahlmöglichkeit nur an wenigen Orten gegeben ist und die Rückkehr der 5. und 6 ten Klassen zu G9 auch dort nicht möglich ist, wo sich die Schulen zur Rückkehr zu G9 entschieden haben. Laut Mitteilung des Verkehrsdezernten Kavai im Jahre 2010 betragen die von den Eltern zu übernehmenden Fahrtkosten bis zu 1025 Euro pro Kind und Schuljahr. Bei Preiserhöhungen von bis zu 17 Prozent alleine in diesem Jahr dürften die maximalen Kosten somit über 1.100 Euro im Jahr liegen. "Bereits 2010 haben wir das erste Mal nachgefragt. Vom Kultusministerin haben wir zur Antwort bekommen, dass die Rechtslage laut §161 Abs. 1 Schulgesetzt klar ist und die Fahrtkosten nur bis zum Ende der Sekundarstufe I übernommen werden müssen, unabhängig vom angestrebten Abschluss;" so der Fraktionsvorsitzende Andreas Müller. Im Jahre 2010 hatten wir deshalb schon einmal einen ähnlichen Antrag gestellt, der damals von allen anderen Parteien, bei Enthaltung der Freien Wählern, abgelehnt wurde. Inzwischen hat sich die Situation aber nicht geändert. Der Elternwunsch zur Rückkehr zu G9 hat diesen Strickfehler von G8 noch einmal deutlich gemacht, so dass die LINKEN nun bei geänderten Mehrheiten im Kreistag einen bochmaligen versuch wagen wollen.

Das Problem: G8-Schülerinnen und Schüler, die nach der Mittelstufe einen mittleren Bildungsabschluss anstreben, müssen nach wie vor die zehnte Klasse besuchen - für die ihnen dann der Bus aber nicht mehr bezahlt wird. Absolvieren sie die zehnte Klasse nicht, erhalten sie aufgrund entsprechender Beschlüsse der Kultusministerkonferenz nach der 9. Klasse nur einen der Hauptschule ähnlichen Abschluss. Dies hat gerade auch der hessische Verwaltungsgerichtshof bestätigt. Eine völlig unverständliche Rechtslage, so Müller.

Der Landkreis als Schulträger ist gesetzlich nur verpflichtet, die Buskosten bis zum Ende der Mittelstufe zu bezahlen. Die ist aber nach Auffassung der LINKEN mit Abschluss der 9. Klasse G8 noch nicht erreicht. Hier ist die Rechtslage widersprüchlich.
"Keine Mittlere Reife, drohende Fahrtkosten und vom Schulstress ganz zu schweigen - G8 ist murks und gehört abgeschafft", so bilanziert die LINKE Kreistagsfraktion die Einführung der Schulzeitverkürzung an Gymnasien in der Mittelstufe.

Emine Pektas, schulpolitische Sprecherin der Linken, kündigt deshalb an, dass die LINKE Kreistagsfraktion beantragen wird, dass der Landkreis freiwillig auch für Gymnasialschüler die Busfahrt in der 10. Klasse bezahlen soll. Die forderte: "Die Buskosten-Erstattung für die Schülerinnen und Schüler in der gymnasialen Oberstufe, muss übernommen werden, wenn nicht durch das Land, dann durch den Main-Kinzig-Kreis!"

Die Lösung der LINKEN ist zum Einen eine längere gemeinsame Schule bis zum 10. Schuljahr und zum Anderen die Übernahme der Fahrtkosten auch in der Oberstufe. Dies führt zu einer besseren Schule insgesamt und zu besseren Bildungschancen gerade von sozial schwächeren Kindern, wie internationale Studien belegen.